Lexikon
Soziologie Definition: Begriffe von A bis Z
Kurze Erklärungen zu den Begriffen, die im Soziologie Studium ständig auftauchen.

Wer Soziologie studiert, lernt zuerst eine Sprache: Rolle, Norm, Milieu, Sozialisation, Habitus. Das Lexikon erklärt diese Begriffe in wenigen Sätzen, nennt verwandte Begriffe und verweist auf passende Beiträge im Ratgeber. Es ersetzt kein Lehrbuch, hilft aber beim ersten Verstehen und beim Wiederholen vor der Klausur.
A
- AnomieAnomie bezeichnet bei Émile Durkheim einen Zustand gesellschaftlicher Regellosigkeit, in dem verbindliche Normen an Geltung verlieren und Orientierung fehlt.
- Abweichendes VerhaltenAbweichendes Verhalten ist jedes Handeln, das von geltenden Normen einer Gruppe oder Gesellschaft abweicht und dort als Regelverstoß wahrgenommen wird.
- ArbeitsteilungArbeitsteilung verteilt Aufgaben auf Personen oder Gruppen, die spezialisiert arbeiten und dadurch voneinander abhängig werden.
B
- BürokratieBürokratie ist bei Max Weber ein Verwaltungsmodell mit festen Zuständigkeiten, Hierarchie, Schriftlichkeit und Regeln, das auf rationale Herrschaft zielt.
C
- CharismaCharisma bezeichnet bei Max Weber die außeralltägliche Ausstrahlung einer Person, die ihr Gefolgschaft verschafft, weil sie als außergewöhnlich gilt.
E
- EtikettierungEtikettierung meint in der Labeling-Theorie, dass eine Person durch die Zuschreibung als abweichend tatsächlich in eine abweichende Rolle gedrängt werden kann.
- EthnomethodologieDie Ethnomethodologie untersucht, mit welchen alltäglichen Verfahren Menschen soziale Ordnung in ihren Handlungen herstellen und für andere erkennbar machen.
- EntfremdungEntfremdung bezeichnet bei Karl Marx den Verlust von Selbstbestimmung und Sinn, wenn Menschen Arbeit, Produkt und andere Menschen als fremd erleben.
F
- FunktionalismusDer Funktionalismus erklärt soziale Strukturen und Institutionen über den Beitrag, den sie zum Bestand und zur Stabilität der Gesellschaft leisten.
- FragebogenEin Fragebogen ist ein standardisiertes Erhebungsinstrument, bei dem alle Befragten dieselben Fragen in gleicher Reihenfolge und Formulierung erhalten.
- Funktionale DifferenzierungFunktionale Differenzierung gliedert moderne Gesellschaften in eigenständige Teilsysteme wie Wirtschaft, Recht, Wissenschaft oder Bildung.
G
- GemeinschaftGemeinschaft bezeichnet bei Ferdinand Tönnies eine Sozialform, die auf emotionaler Verbundenheit, persönlichen Beziehungen und gemeinsamer Tradition beruht.
- GesellschaftGesellschaft bezeichnet bei Tönnies Beziehungen, die auf Verträgen, Märkten und rationalen Interessen beruhen und nicht auf persönlichen Bindungen.
- GruppeEine soziale Gruppe ist eine Mehrzahl von Personen, die durch wiederholte Interaktion, gemeinsame Ziele oder ein Wir-Gefühl miteinander verbunden sind.
- Grounded TheoryDie Grounded Theory entwickelt Theorien schrittweise aus dem Material, indem Daten laufend codiert und verglichen werden.
- GruppendiskussionDie Gruppendiskussion ist ein qualitatives Verfahren, bei dem Teilnehmende gemeinsam über ein Thema sprechen und kollektive Deutungen sichtbar werden.
- GeschlechterrolleGeschlechterrolle sind die gesellschaftlich erwarteten Pflichten und Zuschreibungen, die mit weiblicher oder männlicher Zugehörigkeit verbunden werden.
H
- HabitusHabitus nennt bei Pierre Bourdieu verinnerlichte Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata aus der sozialen Herkunft, die das Verhalten vorstrukturieren.
- HerrschaftHerrschaft ist nach Max Weber die Chance, für einen Befehl bei einer bestimmten Gruppe Gehorsam zu finden, und sie stützt sich auf eine Legitimitätsgrundlage.
- HypotheseEine Hypothese ist eine überprüfbare Aussage über einen Zusammenhang zwischen sozialen Merkmalen, die vorab formuliert und an Daten getestet wird.
I
- IdealtypusDer Idealtypus ist ein gedankliches Konstrukt, das typische Merkmale eines Phänomens zuspitzt, um es vergleichbar zu machen, ohne in Reinform vorzukommen.
- InstitutionEine Institution ist ein dauerhaftes, durch Normen geordnetes Gefüge sozialer Erwartungen, das bestimmte Aufgaben übernimmt, etwa Familie, Schule oder Recht.
- IndividualisierungIndividualisierung beschreibt, dass Menschen Lebensläufe und Bindungen zunehmend selbst gestalten und weniger an traditionelle Vorgaben gebunden sind.
- IdentitätIdentität ist das Selbstverständnis einer Person, das sich in Auseinandersetzung mit anderen und mit gesellschaftlichen Erwartungen herausbildet.
- InhaltsanalyseInhaltsanalyse ist ein systematisches Verfahren, mit dem Texte, Bilder oder Medienbeiträge anhand eines Kategoriensystems regelgeleitet ausgewertet werden.
K
- Kulturelles KapitalKulturelles Kapital sind nach Bourdieu verinnerlichte Bildung, Sprachgewandtheit und Geschmack sowie kulturelle Güter, die soziale Chancen prägen.
- KonflikttheorieDie Konflikttheorie erklärt soziale Ordnung als Ergebnis von Interessengegensätzen und Machtverhältnissen, nicht als Ausdruck gemeinsamer Werte.
- KulturindustrieKulturindustrie nennen Adorno und Horkheimer die standardisierte Produktion und Vermarktung von Kultur, die unterhalten und zugleich anpassen soll.
- KohorteEine Kohorte ist eine Gruppe, die im selben Zeitraum geboren wurde oder ein Ereignis gemeinsam erlebt hat und deshalb ähnlich geprägt ist.
L
- LeitfadeninterviewDas Leitfadeninterview ist eine qualitative Befragung anhand eines vorbereiteten Fragenkatalogs, der Themen festlegt, aber offene Antworten zulässt.
- LebensweltDie Lebenswelt ist bei Alfred Schütz und Edmund Husserl der vorgegebene, selbstverständliche Alltagshorizont, in dem Menschen handeln und Sinn erfahren.
- LebenslageLebenslage bezeichnet die materiellen, sozialen und gesundheitlichen Bedingungen, unter denen ein Mensch lebt und seine Handlungsspielräume nutzt.
M
- MilieuEin soziales Milieu ist eine Gruppe mit ähnlichen Lebensbedingungen, Werten und Alltagspraktiken, die sich in Bildung, Arbeit und Lebensstil zeigen.
- ModernisierungModernisierung bezeichnet den Wandel von agrarischen Ständegesellschaften zu industriellen, funktional differenzierten Ordnungen.
N
- NormEine soziale Norm ist eine verbindliche Verhaltenserwartung einer Gruppe oder Gesellschaft, deren Einhaltung durch Sanktionen gestützt wird.
- NetzwerkEin soziales Netzwerk ist ein Geflecht von Beziehungen zwischen Personen oder Organisationen, über das Informationen, Unterstützung und Einfluss fließen.
O
- OperationalisierungOperationalisierung ist die Übersetzung eines theoretischen Begriffs in beobachtbare Indikatoren, mit denen er messbar oder erfassbar wird.
Q
- Quantitative ForschungQuantitative Forschung erhebt soziale Sachverhalte in Zahlen, prüft Hypothesen statistisch und sucht nach messbaren Zusammenhängen über größere Fallzahlen.
- Qualitative ForschungQualitative Forschung untersucht Sinnzusammenhänge anhand weniger, ausführlich erhobener Fälle, um Deutungen und Handlungsmuster nachzuvollziehen.
R
- RationalisierungRationalisierung ist bei Max Weber die wachsende Ausrichtung von Handeln an berechenbaren Mitteln und Verfahren, die Traditionen und Werte zurückdrängt.
- ReliabilitätReliabilität gibt an, wie zuverlässig ein Instrument bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen dieselben Ergebnisse liefert.
S
- SozialisationSozialisation ist der Prozess, in dem Menschen Normen, Werte und Verhaltensweisen ihrer Gesellschaft erlernen und zu handlungsfähigen Mitgliedern werden.
- Soziale RolleEine soziale Rolle ist das Bündel von Erwartungen, das an eine Person in einer bestimmten Position gerichtet wird, etwa als Lehrerin, Vater oder Studierende.
- SystemtheorieDie Systemtheorie erklärt Gesellschaft als Gefüge von Teilsystemen wie Wirtschaft oder Recht, die sich über eigene Codes und Kommunikation selbst erhalten.
- Soziales HandelnSoziales Handeln liegt nach Max Weber vor, wenn ein Mensch sein Verhalten am Verhalten anderer orientiert und ihm dabei ein subjektiver Sinn zukommt.
- Soziales FeldEin soziales Feld ist bei Bourdieu ein Handlungsbereich wie Bildung, Kunst oder Wirtschaft, in dem Akteure um spezifische Güter und Anerkennung konkurrieren.
- Soziale KlasseEine soziale Klasse ist eine Gruppe mit ähnlicher Stellung in Produktions- oder Ressourcenverhältnissen, aus der gemeinsame Interessen und Konflikte folgen.
- Soziale SchichtEine soziale Schicht gliedert die Gesellschaft nach Einkommen, Bildung und Beruf in über- und untergeordnete Positionen.
- StatusStatus bezeichnet die soziale Position einer Person innerhalb einer Gruppe oder Gesellschaft, verbunden mit Ansehen, Rechten und Pflichten.
- SanktionEine Sanktion ist eine positive oder negative Reaktion der Gemeinschaft auf Einhaltung oder Verletzung sozialer Normen, von Anerkennung bis zu Strafe.
- Sozialer WandelSozialer Wandel bezeichnet die dauerhafte Veränderung von Strukturen, Werten, Institutionen oder Verhaltensmustern einer Gesellschaft über die Zeit.
- Symbolischer InteraktionismusDer symbolische Interaktionismus untersucht, wie Menschen in alltäglicher Interaktion Bedeutungen aushandeln und so soziale Wirklichkeit hervorbringen.
- Soziales KapitalSoziales Kapital sind die Ressourcen, die aus dauerhaften Beziehungen und Netzwerken entstehen und Zugang zu Informationen, Unterstützung und Chancen eröffnen.
- Soziale UngleichheitSoziale Ungleichheit ist die ungleiche Verteilung von Einkommen, Bildung, Macht und Prestige zwischen Gruppen oder Personen einer Gesellschaft.
- Soziale MobilitätSoziale Mobilität beschreibt Bewegungen zwischen sozialen Positionen, innerhalb eines Lebens oder über Generationen hinweg.
- Soziale BewegungEine soziale Bewegung ist ein handlungsfähiger Zusammenschluss von Menschen, die gemeinsam gesellschaftlichen Wandel anstreben oder sich ihm widersetzen.
- Soziale KontrolleSoziale Kontrolle umfasst alle Mechanismen, mit denen Gruppen und Institutionen Verhalten überwachen und an die geltenden Normen anpassen.
- StereotypEin Stereotyp ist eine verallgemeinernde, stark vereinfachte Vorstellung über die Merkmale einer Gruppe, die von Einzelnen oft unreflektiert übernommen wird.
- SolidaritätSolidarität ist die Bereitschaft, für andere Mitglieder einer Gruppe einzustehen, und bildet bei Émile Durkheim eine Grundlage sozialer Ordnung.
- StichprobeEine Stichprobe ist die untersuchte Teilmenge einer Grundgesamtheit, und ihre Auswahl bestimmt, wie weit Ergebnisse verallgemeinert werden können.
- Soziale TatsacheSoziale Tatsache ist bei Émile Durkheim eine äußere Erscheinung, die den Einzelnen zu bestimmtem Verhalten zwingt, etwa Sprache, Recht oder Sitten.
- SekundäranalyseSekundäranalyse ist die Auswertung vorhandener Daten, die für einen anderen Zweck erhoben wurden, etwa amtliche Statistiken oder Umfragen.
T
- Teilnehmende BeobachtungDie teilnehmende Beobachtung ist ein ethnografisches Verfahren, bei dem die Forschende im Feld mitwirkt und Handlungen im Alltag protokolliert.
- TypologieEine Typologie ordnet Fälle anhand mehrerer Merkmale in begründete Gruppen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten übersichtlich darzustellen.
V
- VerstehenVerstehen ist bei Max Weber das deutende Erfassen des subjektiv gemeinten Sinns sozialer Handlungen, das Soziologie von reiner Naturerklärung abgrenzt.
- VorurteilEin Vorurteil ist eine vorgefasste, meist negative Meinung über Personen oder Gruppen, die kaum von konkreten Erfahrungen korrigiert wird.
- ValiditätValidität gibt an, ob ein Verfahren tatsächlich misst, was es messen soll, und ob die Schlüsse auf den Gegenstand zutreffen.
W
- WertfreiheitWertfreiheit verlangt von Max Weber, dass Forschende persönliche Werturteile von der wissenschaftlichen Analyse trennen, ohne auf Wertbezüge zu verzichten.
- WertrationalitätWertrationales Handeln folgt nach Max Weber einem als absolut geltenden Wert, etwa Pflicht, Glauben oder Gerechtigkeit, unabhängig von den erwartbaren Folgen.
Z
- ZweckrationalitätZweckrationales Handeln liegt nach Max Weber vor, wenn ein Mensch Mittel abwägt, um einen selbst gesetzten Zweck möglichst effizient zu erreichen.