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Soziologie Fernstudium

Wege, Theorien, Methoden, Köpfe

Erklärt

Gemeinschaft

Gemeinschaft bezeichnet bei Ferdinand Tönnies eine Sozialform, die auf emotionaler Verbundenheit, persönlichen Beziehungen und gemeinsamer Tradition beruht.

Tönnies stellt Gemeinschaft (Gemeinschaft im engeren Sinn) der Gesellschaft gegenüber. In der Gemeinschaft wie Familie, Dorf oder Freundeskreis herrschen Vertrauen, Gewohnheit und wechselseitige Verpflichtung. Die Beziehungen sind ganzheitlich und dauerhaft, die Motive eher wertgebunden als berechnend.

Der Begriff dient vielen Analysen als Kontrastfolie, etwa bei Debatten über Nachbarschaft, Vereine oder digitale Communities. Wer ihn verwendet, sollte nicht idealisieren, denn Gemeinschaften können auch Ausschluss und soziale Kontrolle erzeugen. Eine differenzierte Betrachtung fragt, für wen eine Gemeinschaft Halt bietet und wer außen vor bleibt. Für die Analyse ist es wichtig, Zugehörigkeit und Ausschluss gleichermaßen zu betrachten, etwa bei Vereinen oder Nachbarschaften.

Ähnliche Stichwörter

  • GesellschaftGesellschaft bezeichnet bei Tönnies Beziehungen, die auf Verträgen, Märkten und rationalen Interessen beruhen und nicht auf persönlichen Bindungen.
  • SolidaritätSolidarität ist die Bereitschaft, für andere Mitglieder einer Gruppe einzustehen, und bildet bei Émile Durkheim eine Grundlage sozialer Ordnung.
  • Soziale KontrolleSoziale Kontrolle umfasst alle Mechanismen, mit denen Gruppen und Institutionen Verhalten überwachen und an die geltenden Normen anpassen.
  • IdentitätIdentität ist das Selbstverständnis einer Person, das sich in Auseinandersetzung mit anderen und mit gesellschaftlichen Erwartungen herausbildet.